Experteninterview mit Roland Elias: Social Media für Steuerberater

Roland Elias schafft es erfolgreich das Thema Steuern auf Social Media zu behandeln: Sein YouTube-Kanal “Steuern mit Kopf” hat über 10.000 Abonnenten. Aber wie fängt man an? Und welches Netzwerk eignet sich am besten, um über Steuern zu informieren? Wir haben uns über dieses und weitere Themen rund um die Digitalisierung des Berufsstands des Steuerberaters mit dem Experten unterhalten.

Wenn man sich mit Roland Elias unterhält, hat man das Gefühl, dass sein Tag weit mehr als 24 Stunden haben muss. Neben seinem Vollzeitjob als Steuerfachangestellter ist er erfolgreicher YouTuber, betreibt einen Blog und macht neuerdings auch Podcasts. Was Steuerberater genau mit Social Media erreichen können, wie man anfängt und was man beachten muss, darüber haben wir uns mit Roland Elias unterhalten. Eins vorweg: Fehler machen ist erlaubt.

Gehen wir zunächst an den Anfang: Wie bist du in dem Bereich Steuern gelandet?

Man kann fast sagen, dass mein Weg vorgezeichnet war. Mein Vater ist Steuerberater und hat eine eigene Kanzlei (Steuerberater Elias). Natürlich hatte ich auch ein eigenes Interesse an diesem Thema. Ich habe dann eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten und im Anschluss ein betriebswirtschaftliches Studium mit dem Schwerpunkt Steuern und Wirtschaftsprüfung absolviert. Mittlerweile arbeite ich seit mehr als zehn Jahren in dem Bereich. Zunächst in einer anderen Kanzlei, aber vor fünf Jahren führte der Weg dann wieder in die heimische Kanzlei in Regensburg.

Du bist angehender Steuerberater und hast neben einem Blog einen eigenen YouTube Kanal, auf dem du über das Thema Steuern informierst. Wie bist du dazu gekommen?

Der YouTube Kanal “Steuern mit Kopf” gehört eigentlich zu einem riesigen Netzwerk, so gibt es auch “Aktien mit Kopf” oder “Versicherungen mit Kopf”, “Immobilien mit Kopf” und Unternehmerkanal. All diese wurden von Kolja Barghoorn in die Wege geleitet. Vor sechs Jahren begann alles mit “Aktien mit Kopf”. In der zugehörigen Facebook Community kamen vermehrt Fragen zu Steuern auf, z. B. zur Kapitalertragsteuer. Das gleiche passierte dann in der Community vom Unternehmerkanal. Dort wurden immer häufiger Fragen zur Gründung und Steuern gestellt. Kolja Barghoorn kam dann auf mich zu und so ist schließlich der YouTube Kanal “Steuern mit Kopf” entstanden.  

- Begrüßung Steuern mit Kopf

Dein YouTube Kanal “Steuern mit Kopf” hat über 10.000 Abonnenten. Was ist dein Erfolgsrezept?

Ich habe mir andere Steuer-Channels angeschaut und ich bin der Ansicht, dass es zu fachlich gestaltet ist. Der Realitätsbezug fehlt teilweise. Das heißt, die breite Masse kann sich damit nicht identifizieren. Man muss bedenken, Leute gehen hauptsächlich auf YouTube, um entweder unterhalten oder informiert zu werden. Da muss man die richtige Balance finden. Man braucht also etwas, was informiert, aber auch etwas das locker und einfach aufbereitet wird. Ich habe zum Beispiel den Bereich Steuern aktuell, wo ich am Freitagnachmittag immer wieder spazieren gehe und die Steuernews, also was die Woche über in dem Bereich passiert ist, präsentiere. Das kommt viel besser an, als wenn ich vor einer weißen Wand stehe oder eine PowerPoint Präsentation im Video läuft und man einfach die Steuerpflicht runter redet.
Das Wichtigste ist, nicht zu ernst oder langweilig zu wirken. Es ist trotz allem Social Media und keine Vertragsverhandlung.

Wie lange dauert es durchschnittlich ein Video für deinen Kanal zu produzieren?

Wenn man alles zusammengerechnet, kostet mich “Steuern mit Kopf” 10-15 Stunden pro Woche. Die Vorbereitung läuft eigentlich immer nebenbei. Ich habe mittlerweile einen Pool mit gut 200 Themen aufgebaut, die ich noch bearbeiten will. Für jedes habe ich schon Stichpunkte, also Ideen was ich sagen will, aber auch welche Hilfsmittel und Gegenstände ich im Video einbauen kann, damit man sich das besser vorstellen kann. Die Hauptarbeit, also der Videodreh, dauert zwischen zehn Minuten und drei Stunden - das war zumindest das längste Video, was ich gedreht habe. Für die Nachbearbeitung, also schneiden, Texte einblenden und hochladen, investiere ich auch noch einmal zwischen drei und fünf Stunden. Sobald das Video aber online ist, gibt es nicht mehr so viel zu tun.

Sicherlich werden deine Videos kommentiert. Wie viel Zeit nimmst du dir für Zuschauerfragen und Diskussionen?

Das dauert vielleicht eine Stunde pro Woche. Einige Personen schreiben anschließend auch E-Mails mit Fragen an mich, was nicht immer so einfach handzuhaben ist. Es kommt wirklich darauf an, wie die Fragen gestellt werden. Wenn es sehr generelle Fragen sind, kann man da durchaus gut darauf antworten, aber bei manchen muss man Steuerberatung bzw. Rechtsberatung im Hinterkopf haben und aufpassen, dass man sich da nicht auf dünnes Eis begibt. Wenn also Fragen kommen, die auf einen Einzelfall abzielen, dann gebe ich den Hinweis, dass sie sich an einen Steuerberater wenden sollen, da ich sie einfach nicht ohne weiteres beantworten kann oder darf.

Das klingt nach viel Zeit. Wie bringst du Arbeit und dein Social Media Engagement unter einen Hut?

Grundsätzlich habe ich alles gut strukturiert. Für den Steuerblog bei Finanzgeflüster brauche ich auch 10-15 Stunden die Woche. Hier arbeite ich sehr weit voraus. Da haben wir meistens einen Puffer von zwei bis sechs Monaten eingebaut. Wenn ich also ab morgen zwei Monate fehlen müsste, würde alles wie gewohnt weiterlaufen, ohne dass ich neuen Content produzieren muss. Für generelle Social Media Aktivitäten der Kanzlei brauche ich noch einmal täglich mindestens eine Stunde. Der normale Arbeitsalltag sieht also so aus: Ich stehe auf, gehe zur Arbeit, komme heim und schreibe ein, zwei Artikel und mache Notizen für das nächste Video. Dann am Samstag, wenn ich Zeit habe, drehe ich ein Video ab und schneide es dann selber danach zusammen. Ich mache mir dann aber nicht zu viel Aufwand, weil die Leute gar nicht das Perfekte haben wollen, sie wollen es unverfälscht und ehrlich haben.Ein kleiner Patzer wird da schnell verziehen und macht das Ganze persönlicher. Aber der normale Tagesablauf ist aufstehen, arbeiten und arbeiten.

Was würdest du einem Steuerberater empfehlen, der gerade in das Thema Social Media einsteigt? Wie viel Zeit muss es dafür aufwenden?

Egal um welches Netz es sich handelt, man sollte zunächst mindestens einmal pro Woche aktiv sein. Das hat folgende Gründe: Zum einen ist das für das Google Ranking und andere Anbieter besser. Zum anderen brauchen die Kunden bzw. Zuschauer eine gewisse Kontinuität. Sonst sind sie schnell irritiert oder womöglich gelangweilt. Es kommt natürlich auch auf die Art des Contents an, den man bereitstellt. Wir haben in der eigenen Kanzlei ganz normal Mandantenbriefe und dann den Steuerblog, was wir im Grunde vollkommen quer vernetzt haben und somit mehr Aufwand erfordert. Darüber hinaus kommt es darauf an, in welchem Bereich man tätig ist. Ist man auf den Bereich Merger bzw. Umwandlung von Unternehmen spezialisiert, wird man weniger Social Media aktiv sein müssen, als wenn man direkt mit Privatkunden oder kleine und mittlere Unternehmen zu tun hat, die auf diesen Medien selbst unterwegs sind. Aber generell ist es natürlich wichtig, dass man überhaupt einmal anfängt. Es gibt heute immer noch viele Steuerberater, die keine eigene Webseite und keinen Social Media Account haben. Man muss hier eine wichtige Sache sagen, man darf Fehler machen, auch bei solchen Sachen. Gerade Steuerberater sind es nicht gewohnt, dass es erlaubt ist Fehler zu machen. Das bezieht sich natürlich rein auf den Bereich Social Media, fachlich ist das was anderes.

Du redest von Social Media generell. Was ist deiner Meinung nach das wichtigste soziale Medium für Steuerberater?

Das kommt darauf an, welches Ziel man verfolgt. Möchte man den Kontakt zu seinen Kunden pflegen, dann eignet sich besonders Facebook. Setzt man dagegen den Fokus auf Nachrichten und der Informationsverbreitung, dann bietet sich Twitter an. Twitter ist immer noch das Nachrichtenmedium Nummer eins. Möchte man dagegen eher den Bereich Bildung abdecken, ist YouTube bzw. der eigene Podcast besser. Ist man viel unterwegs und kann viel Bildmaterial liefern, dann wäre Instagram super. Prinzipiell gilt natürlich je mehr Kanäle man bespielt, umso sicherer kann man ein breites Publikum abdecken.

Wenn die Follower und die Leserschaft steigt, steigt dann automatisch auch der Erfolg?

Meiner Meinung nach für den normalen Steuerberater eher weniger. Es kommt natürlich auf das gesetzte Ziel an. Wo will man sich langfristig positionieren? Da kommt es wiederum auf das Spezialgebiet des Steuerberaters an und wie der Kundenstamm grundsätzlich aufgebaut ist. Hat man z. B. sehr viele kleine, mittlere und große Unternehmen oder hat man vor allem ein regionales Publikum? Nehmen wir mal den Wald-und-Weisen-Steuerberater, der in seinem Umfeld für jeden die Steuererklärung macht. Dieser wird kein Interesse daran haben sich deutschlandweit aufzustellen. Der YouTube Kanal “Steuern mit Kopf” hat so gesehen nichts mit der Steuerkanzlei, in der ich arbeite zu tun, sondern es handelt sich rein um ein Bildungsformat. Dadurch ist das nicht für viele Steuerberater interessant, denn es erzielt nicht die Art von Erfolg, den sich vielleicht viele erhoffen.

Habt ihr über den YouTube-Kanal neue Mandanten gewonnen?

Ja, schon einige, aber hauptsächliche einmalige Beratungen. Langfristige Zusammenarbeiten ergeben sich durch den Kanal eher weniger. Das passiert dann häufiger durch Empfehlungen, die aus dem Netzwerk, das durch den Kanal entstanden ist. Aber eine direkte Akquise-Maschine, wie man es sich vielleicht vorstellt, ist es nicht. Einige Steuerberater haben die Vorstellung, dass sie mit Social Media anfangen und schon kommen ihnen 100 neue Mandanten pro Woche zugeflogen. So ist es nicht. Es gibt viele Steuerberater Kanäle auf YouTube. Manche haben vor acht Jahren damit angefangen und die Arbeit schließlich wieder eingestellt, weil das Return of Investment einfach so gering ausfällt. Und manche machen etwas ein mal pro Monat, was meiner Erfahrung nach, einfach zu wenig ist. Um es ernsthaft erfolgreich zu betreiben, braucht man einen Medienbeauftragten in der Kanzlei. Am besten kümmert sich ein eigener Angestellter oder auch ein externer Medienberater darum.

Du erwähnst auch deinen Blog. Glaubst du, dass ein Blog wichtiger wäre für den Steuerberater als Social Media?

Ja und nein. Ich glaube, man muss sich in dem Bereich ein bisschen anders für die Zukunft aufstellen, als nur Informationen bereitzustellen. Vielleicht ist es interessanter Dienstleistungen anzubieten, die andere Kollegen nicht anbieten. Hier in Regensburg gibt es Steuerberater, die bieten schon seit Jahren für Buchhaltungen eigene Cloud-Dienste an, die dem Mandanten dabei helfen über eine App alle Belege hochzuladen. Ich denke, über solche Lösungen bekommt man eher neue Mandanten. Wenn man das nun intelligent mit Social Media verbindet, kann man gezielt den Leuten Informationen bereitstellen.

Du sprichst hier über die Verbindung von Technik und Steuerberatern. Was muss deiner Meinung nach ein moderner Steuerberater mitbringen?

Da muss man sich zunächst die Frage stellen, was das eigentlich bedeutet. Ich sage mal, der Steuerberater von heute hat eine Konkurrenz und das sind Webseiten wie “Smartsteuer”, “Steuertipps” und ähnliche. Der moderne Steuerberater müsste sich jetzt schon positionieren, viel technisches Wissen mitbringen und das geht weit über das steuerliche Wissen hinaus. Ich habe es einmal in einem Video, in dem es um Digitalisierung geht schon mal gesagt: Um eine Steuersoftware zu programmieren oder auch um Informationen über Steuern im Internet zu veröffentlichen, braucht man keinen Steuerberatertitel. Das ist das, was vielen Steuerberatern noch nicht bewusst geworden ist, dass auch sie die Globalisierung betrifft und sie sich technisch mit dem Thema auseinandersetzen müssen.Die Steuerberaterkammer plant soweit ich weiß aktuell den Digitalen Bilanzbuchhalter, das soll eine Form von Mechatroniker in der Buchhaltung sein. Eine gute Idee ist es aber sich auf Themen zu spezialisieren, die andere nicht machen können oder wollen. Zum Beispiel der Wald-und-Wiesen-Steuerberater (Datenerfassung) wird langfristig sehr wahrscheinlich aussterben.

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Was steht bei dir als Nächstes an?

Tatsächlich gibt es schon ein neues Projekt. Ein Podcast für Steuerfachangestellte und Steuerassistenten. Da wird das Thema ein bisschen fachlicher angegangen. So zum Beispiel wie die Einkommensteuer aufgebaut ist oder wie man einen Einspruch handhaben muss. Ich habe bei Freunden und Bekannten gemerkt, die keine Ausbildung zum Steuerfachangestellten hatten, dass sie nach dem BWL Studium mit dem Schwerpunkt Steuern in die Kanzlei gekommen sind und dann überfordert waren. Plötzlich hieß es sie sollen direkt eine Einkommensteuererklärung erledigen oder einen Einspruch und dann standen sie da und wussten im Grunde nicht, was sie tun sollen. Und da ist der Podcast jetzt zum Mitnehmen gedacht. So können Personen, wie diese, sich die Basics selbst beibringen.

Viel Erfolg weiterhin bei deinen spannenden Projekten und danke für das Interview!

Posted: 25 Jun, 2018 (Updated: 27 Jun, 2018)

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