Buchhalter vs. Finanzbuchhalter vs. Bilanzbuchhalter - Was ist der Unterschied?

Es ist nicht immer leicht, bei ähnlichen oder verwandten Berufen den Durchblick zu behalten - insbesondere, wenn man selber nicht in dem Bereich tätig ist. Sucht man Hilfe bei der Buchhaltung, kann es einen schon recht schnell überfordern, den richtigen Berater für die gewünschten Aufgaben zu finden, denn Spezialisierungen und Weiterbildungen gibt es in dem Feld viele. Eine der häufigsten Unsicherheit ergibt sich aus der Unterscheidung zwischen einem Buchhalter, einem Finanzbuchhalter und dem Bilanzbuchhalter. Um die unterschiedlichen Schwerpunkte dieser Berufe hervorzuheben, werden wir im Folgenden auf die Ausbildungen und Aufgabenbereiche der jeweiligen Berufsbezeichnungen eingehen. So können wir hoffentlich ein bisschen Klarheit darüber verschaffen, welcher Berater für Sie die richtige Wahl wäre.

Buchhalter

Die Aufgabe der Buchhaltung ist die Dokumentation aller sogenannten Geschäftsvorfälle. Das sind Vorgänge die das Vermögen des Unternehmens betreffen, also alle Rechnungseingänge und -ausgänge. Ein Beispiel hierfür wären Lohnzahlungen. Somit gewährleisten Buchhalter die reibungslose Organisation des Finanz- und Rechnungswesen. Die Geschäftsfälle werden nach den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung (GoB) und handelsrechtlichen Vorschriften bearbeitet.

Wie ist die Ausbildung eines Buchhalters aufgebaut?

Die Ausbildung zum Buchhalter unterliegt keiner gesetzlichen Regelung und auch die Berufsbezeichnung ist nicht geschützt. Somit kann man auf unterschiedlichem Wege “Buchhalter” werden. Eine der Häufigsten ist jedoch eine kaufmännische Ausbildung mit einer IHK-Prüfung z.B. als Einzelhandels- oder Bürokaufmann abzuschließen, doch auch Quereinsteiger mit kaufmännischem Wissen können relevante Kenntnisse bei einer Umschulung erwerben und so in den Bereich einsteigen. Streng genommen, kann sich also jeder Buchhalter nennen. Deswegen ist es wichtig bei seiner Suche auf die Berufserfahrung des Beraters zu achten. Man kann jedoch ein Zertifikat als “geprüfter Buchhalter” durch eine Prüfung bei der IHK erwerben. Um hierfür zugelassen zu werden, muss die Person eine der folgenden Voraussetzungen erfüllen:

  • eine abgeschlossene Berufsausbildung im kaufmännischen Bereich mit mindestens 2 Jahren Berufspraxis
  • mindestens 5 Jahre Berufserfahrung in der Buchhaltung

Welche Aufgaben gehören zur Buchhaltung?

Die Buchhaltung umfasst, je nach Unternehmensgröße, folgende Aufgabenbereiche:

Debitoren- und Kreditorenbuchhaltung: Dieser Bereich kümmert sich um die Abwicklung aller eingehenden und ausgehenden Rechnungen. Debitorenbuchhaltung betrifft die Geschäfte des Kunden, während Kreditorenbuchhaltung sich mit den Lieferanten beschäftigt.

Lohn- und Gehaltsbuchhaltung: Dieser Bereich verbucht alle Einkommenszahlungen an Mitarbeiter und berechnet die dazugehörigen Sozialleistungen, wie Renten- und Krankenversicherungsbeiträge sowie die Zahlungen an die Arbeitslosenversicherung.

Anlagenbuchhaltung: Dieser Bereich verwaltet Güter, also die Maschinen oder Immobilien des Unternehmens.

Finanzbuchhaltung: Dieser Bereich dokumentiert alle finanziellen Transaktionen und ist für die externe Rechnungslegung und Prüfung verantwortlich. Zudem ist das Mahnwesen meist dieser Abteilung angeschlossen.

Ein Buchhalter kann sich also durchaus in einzelne Bereiche spezialisieren, insbesondere auch durch spezifische Weiterbildungen. Eine solche Weiterbildung ist die zum Finanzbuchhalter.

Finanzbuchhalter

Als Finanzbuchhalter ist man Teil des betrieblichen Rechnungswesens eines Unternehmens. Der Fokus liegt hierbei auf dem externen Rechnungswesens. Die Aufgaben der Finanzbuchhaltung erstrecken sich von Kreditoren- und Debitorenbuchhaltung über vorbereitende Abschlussarbeiten, wie Monats-, Quartals- oder Jahresabschlüsse, bis hin zur Vorbereitung strategischer Fragen die das Finanzmanagement betreffen. Sie sind somit nicht selten die ersten Ansprechpartner des Geschäftsführers, wenn es um die Steuerung und Planung von Betriebsprozessen geht.

Wie ist die Ausbildung eines Finanzbuchhalters aufgebaut?

Finanzbuchhalter ist eine kaufmännische Weiterbildung, deren Prüfung durch Handwerkskammern geregelt ist. Die Zugangsvoraussetzungen, Dauer sowie Inhalte der Weiterbildung können je nach Kammer unterschiedlich ausfallen, da diese intern und selbständig festgelegt werden. Grundvoraussetzung ist jedoch, wie bei der Prüfung zum “geprüften Buchhalter”, eine abgeschlossene kaufmännische Ausbildung sowie mindestens ein Jahr Berufserfahrung. Ist dies nicht gegeben, kann die Zulassung auch über eine mindestens fünfjährige Berufserfahrung im Bereich des Finanz- und Rechnungswesens erwirkt werden. Die meisten Kammern stellen nach erfolgreicher Prüfung ein Zertifikat mir den jeweiligen Weiterbildungsinhalten aus.

Welche Aufgaben gehören zur Finanzbuchhaltung?

Generell gesehen, übernehmen Finanzbuchhalter Aufgaben in den Bereichen Buchhaltung und Rechnungswesen. Dazu gehört die Buchhaltung und -führung erledigen, steuerliche Fragen behandeln und im Finanzmanagment mitarbeiten. Zu den mehr detaillierten Aufgaben gehören Bilanzen und Abschlüsse für unterschiedliche Rechnungsperioden erstellen, Werte wie Gewerbesteuerschuld und -zahlungshöhe einschätzen, Unternehmensgewinne und -verluste errechnen, Eingangs- und Ausgangsrechnungen verbuchen sowie auf sachliche und inhaltliche Richtigkeit prüfen, Konten verwalten, Zahlungsverkehr des Unternehmens abwickeln, Löhne verbuchen, Zahlen für die Controller aufbereiten sowie Finanzierungsarten einschätzen.

Der Finanzbuchhalter ist somit ein Buchhalter mit einer Spezialisierung in dem Finanzbereich, wodurch er auch eng mit dem Finanzmanagement zusammenarbeitet.

Bilanzbuchhalter

Während der Finanzbuchhalter nur auf einen Teil des gesamten betrieblichen Rechnungswesens eines Unternehmens spezialisiert ist, sind die Aufgabengebiete eines Bilanzbuchhalters wiederum breiter gestreut, wobei dies auch von der Unternehmensgröße abhängt. Da Bilanzbuchhalter den Überblick über die finanzielle Situation eines Unternehmens haben und somit genauestens über die Liquidität und die Rentabilität Bescheid wissen, sind sie oftmals als Leiter des Rechnungswesens direkt dem Geschäftsführer unterstellt.

Wie ist die Ausbildung eines Bilanzbuchhalters aufgebaut?

Bilanzbuchhalter ist wie der Finanzbuchhalter eine Weiterbildung, die auf bereits vorhandenen beruflichen Kenntnissen aufbaut. Im Gegensatz zum Finanzbuchhalter (und auch zum geprüften Buchhalter) ist die Prüfung bundeseinheitlich geregelt und die anschließende Berufsbezeichnung “geprüfter Bilanzbuchhalter” geschützt. Dementsprechend gelten auch strengere Voraussetzungen für die Zulassung zur Prüfung:

  • Eine mindestens 3-jährige erfolgreich abgeschlossene kaufmännische Lehre und zusätzlich 3 Jahre Berufserfahrung im betrieblichen Rechnungswesen
  • Ein erfolgreich beendetes Studium der Betriebswirtschaft oder Wirtschaftswissenschaften sowie 2 Jahre Berufspraxis
  • Mindestens 6 Jahre Berufserfahrung im Rechnungswesen

Mit der Weiterbildung zum Bilanzbuchhalter und 7 Jahren Berufserfahrung erfüllt man zudem die Voraussetzung zur Teilnahmen an der Steuerberaterprüfung und einer anschließenden Tätigkeit als Steuerberater.

Welche Aufgaben gehören zur Bilanzbuchhaltung?

Das Tätigkeitsfeld ist vor allem von der Größe, Branche und der Organisation des Unternehmens abhängig. So können Bilanzbuchhalter Spezialisten in einem abgesteckten Teilbereich sein, Generalisten oder sogar Manager an der Spitze. Generell, haben Bilanzbuchhalter weitaus mehr Verantwortung als andere Buchhalter. Zu ihren Aufgaben im Alltag kann Folgendes gehören: das betriebliche Rechnungswesen überwachen, Einnahmen und Ausgaben prüfen und verbuchen, Bilanzen und Abschlüsse erstellen, steuerliche Fragen klären, Kostenarten kalkulieren, Budget planen und strategische Planungen vorbereiten. Darüber hinaus können auch die Mitarbeiterführung sowie Organisation und Durchführung der betrieblichen Ausbildung zu ihren Aufgaben gehören.

Vergleiche

Generell können sich die Tätigkeiten und Zuständigkeiten von Buchhaltern, Finanzbuchhaltern und Bilanzbuchhaltern überschneiden. Je nach Größe des Unternehmens arbeiten sie als Generalisten oder als Spezialisten. Buchhalter können sich für verschiedenen Weiterbildungen entscheiden. Finanz- und Bilanzbuchhalter sind hierbei zwei der Populärsten. Während Finanzbuchhalter sich auf das Aufgabenfeld des externen Rechnungswesens fokussieren, kann das Einsatzfeld des Bilanzbuchhalters wieder breiter aufgestellt sein. Zusätzlich ist es nicht unüblich für einen Bilanzbuchhalter auch Managementaufgaben zu übernehmen. Dementsprechend ist die Prüfung zum Bilanzbuchhalter einiges komplizierter, jedoch das Gehalt auch um einiges höher. Die folgenden Übersichten geben noch einmal einen Überblick über die Unterschiede in Gehalt und Kernkompetenzen:

Gehalt

 

Buchhalter

Finanzbuchhalter

Bilanzbuchhalter

Einstiegsgehalt*

1.900 € brutto monatlich

2.300 € brutto monatlich

2.900 € brutto monatlich

Gehalt nach mehrjähriger Berufserfahrung*

2.700 € brutto monatlich

3.000 € brutto monatlich

5.000 € brutto monatlich

*Je nach persönlicher Qualifikation, Region und Unternehmensgröße sind Abweichungen nach oben und unten möglich.

Kernkompetenzen

Buchhalter

  • Bilanzierung
  • Buchführung
  • Buchhaltung
  • Handelsrecht
  • Jahresabschluss
  • Kosten- und Leistungsrechnung
  • Steuerrecht
  • Zahlungsverkehr


Finanzbuchhalter

  • Buchführung
  • Kosten- und Leistungsrechnung
  • Bilanzierung
  • Betriebliches Steuerrecht
  • Grundwissen Recht und Finanzen
  • EDV-Finanzbuchhaltung

Bilanzbuchhalter

  • Betriebswirtschaftslehre
  • Volkswirtschaftslehre
  • Grundlagen der Buchführung
  • Finanzwirtschaftliches Management
  • Kosten- und Leistungsrechnung
  • Handelsrechtlicher Jahresabschluss
  • Zwischenabschluss
  • Abschluss nach internationalen Standards
  • Buchhaltungsorganisation
  • Rechnungslegung
  • Berichterstattung
  • Handelsbilanz
  • Steuerbilanz

 

Posted: 21 Sep, 2017 (Updated: 03 Oct, 2017)

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